![]() | Benedikt Fahrland, |
Business Intelligence und Enterprise Performance Management zählen heute zu den wichtigsten Informationssystemen im Unternehmen. Benedikt Fahrland, Leiter Business Intelligence bei bebit, erläutert warum.
Herr Fahrland, die kostspieligen Aktionen und Akquisitionen der großen Anbieter wie SAP, IBM und Oracle unterstreichen die Attraktivität von Business Intelligence. Woran liegt diese neu erwachte Interesse an einem Thema, das im Grunde bereits zwanzig Jahre alt ist?
Fahrland: Sie dürfen ruhig noch einige Jahrzehnte beim Alter dazu rechnen. Die Marktwirtschaft wird bereits vom Beginn an von Business Intelligence oder Enterprise Performance Management begleitet. Denn schon immer zogen Unternehmen aus dem betrieblichen Geschehen Rückschlüsse für ihr künftiges Handeln; heutzutage steht vor allem die Integration im Mittelpunkt, d.h. die Ablösung einer manuellen Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Quellen durch den Einsatz eines übergreifenden Systems, in das die nötigen Informationen fließen, unter Umständen transformiert werden und zur Auswertung bereitstehen.
Warum sorgten BI-Projekte in der Vergangenheit wiederholt für Enttäuschung bei den Anwendern?
Fahrland: Die ersten BI-Vorhaben in den Unternehmen waren eher von technischen Fragestellungen geprägt und wurden nur unzulänglich in das operative Geschäft integriert. Ein schlagkräftiges Enterprise Performance Management setzt jedoch voraus, dass die einschlägigen Analyse- und Planungstechniken konsequent an den Geschäftsprozessen ausgerichtet sind. Anders ausgedrückt: BI bereichert in diesem Sinne die Prozesse und ist keineswegs die abgehobene Spezialdisziplin früherer Tage. Der Nutzerkreis weitet sich zudem aus, da es in einem integrierten System nur noch eine Wahrheit statt vieler verschiedener Versionen und Stände geben soll.
Lässt sich dies denn so einfach in den Unternehmen umsetzen?
Fahrland: Enterprise Performance Management muss in den Unternehmen gelebt werden. Sind Manager und Mitarbeiter nicht von den Vorteilen überzeugt, kann BI an den möglichen Widerständen scheitern.
Mit welchen Argumenten kann Enterprise Performance Management den Kunden überzeugen?
Fahrland: Enterprise Performance Management gibt zu jedem Zeitpunkt Aufschluss über die Leistung eines Unternehmens auf allen Ebenen. Diese Transparenz schafft beste Voraussetzungen für das Management, die künftige Unternehmensentwicklung aktiv zu gestalten und zeitnah auf Veränderungen zu reagieren. Aus diesem Grund müssen konkrete Umsetzungen für jedes Unternehmen und jede Abteilung individuell angegangen werden. Die Grundidee folgt stets dem gleichen Muster: Wenn ein Problem im täglichen Geschäft auftritt, werden mit Blick auf die Unternehmensstrategie geeignete Gegenmaßnahmen eingeleitet und deren Auswirkungen kontrolliert. Zeigen die Key Performance Indicators (KPI; Kennzahlen) an, dass sich der erwünschte Erfolg nicht vollständig einstellt, können interaktiv weitere Maßnahmen eingeleitet werden, bis das gewünschte Ziel erreicht ist.
Außerdem wird mit BI der Blick für das Zusammenwirken von Faktoren geschärft. Ansteigende Fehlerraten und eine wachsende Anzahl von Rückläufern wirken sich beispielsweise negativ auf den Auftragseingang aus und belasten den Cashflow.
Ist dies nicht immer so?
Fahrland: Selbstverständlich! Wenn mir jedoch die entscheidenden KPIs der unterschiedlichen Perspektiven zur Verfügung stehen, erkenne ich unmittelbar, dass der Auftragsbestand einbricht, weil es in der Produktion klemmt. Zugleich werden die potenziellen Auswirkungen auf die Entwicklung des Umsatzes und der Rendite als auch der Einfluss auf die Konkurrenzfähigkeit angezeigt. Das Management kann sofort korrigierend eingreifen und wird nicht erst durch schlechte Quartalszahlen auf eine problematische Entwicklung aufmerksam.
Welche Werkzeuge stehen hierfür zur Verfügung, zum Beispiel in SAP?
Fahrland: Ausgangspunkt ist methodisch gesehen das Konzept der Systemdynamik, die davon ausgeht, dass jeder Effekt Auswirkungen auf andere Stellgrößen hat und damit ein Unternehmen einem System entspricht, indem die einzelnen Teile voneinander abhängen und sich gegenseitig unterschiedlich stark beeinflussen. Daraus lässt sich zunächst ein Prozessmodell entwickeln, in welches diese Abhängigkeiten übernommen – dieses Modell ließe sich in SAP beispielsweise als Simulationsmodell im Modul SEM-BPS abbilden. In der Praxis erweist sich dieser Ansatz jedoch meist als kompliziert, weshalb lineare Beziehungen statt Rückkopplungsschleifen angenommen werden. Diese werden als Kennzahlenmodell aufgebaut innerhalb eines Steuerungsinstrumentes dargestellt, sei es als Bericht mit grafischer Unterstützung oder als Cockpit, in dem die Grafiken mit Daten hinterlegt werden. Die Informationstechnik bietet gerade im Bereich Business Intelligence viele neue Entwicklungen und Werkzeuge an, nicht nur SAP selbst, sondern auch andere Anbieter, die auf SAP-Daten zugreifen und eine ansprechende und anwenderfreundliche Aufbereitung mit der nötigen Leistungsfähigkeit koppeln.
Überstrapaziert die organisatorische und technische Umsetzung solch ambitionierter Konzepte nicht die Ressourcen in den Unternehmen ?
Fahrland: Wie so häufig ist die Konzentration auf das Wesentliche entscheidend. Pragmatisch sollten Unternehmen zunächst einen oder mehrerer Prototypen entwickeln. Dies ermöglicht die Diskussion am lebenden Objekt anstelle der Erörterung theoretischer Konzepte. Zu Beginn eines BI-Projektes sollten Interessierte in jedem Fall externe Spezialisten wie bebit einbinden, um von deren übergreifendem Fachwissen zu ERP und BI zu profitieren. Wir verstehen uns in diesem Kontext als Integrator zwischen den fachlichen Anforderungen und Bedürfnissen und der IT-seitigen Realisierung.
Herr Fahrland, vielen Dank für das Gespräch!







